Eine Geschichte aus Dunland

Nicht immer entstehen auf Reisen Lieder, sehr oft sind es die Menschen denen ich begegne, deren Leben mir eine Geschicht erzählt, die der Rösser in Rohan…eine ganz andere damals in Dunland.

Avardin

(Nush Rauhros)

Ruhig stand sie vor dem alten Holztisch, auf dem Brot und Obst aufgebahrt waren. Eine flackernde Fackel vor ihrem Stand erhellte den nebligen Morgen. Wie alle übrigen Händler wartete sie darauf, dass die Krieger der freien Völker, die durch Dunland in Richtung Rohan zogen, zu ihnen nach Avardin kamen.

Eilig ritten oder liefen sie durch das Dorf, erkunden die Gegend und nur wenige blieben an den Ständen stehen.

Mit grimmigem Blick verteilte die Heilerin am Stand nebenan ein paar Salben an verletzte Reiter, ließ die Münzen in ihren Beutel verschwinden und unterhielt sich weiter mit ihrem Nachbarn. „Immerhin zahlen sie für die Waren, im Gegensatz zu den widerlichen Drachensipplern und streunenden Orks, die uns ausrauben,“ schimpfte eine Frau. Eigentlich hörte Englin noch nie ein freundliches Wort hier auf dem Marktplatz. Jeder Bewohner des Dorfes besaß das Nötigste, arbeitete viel, das einzige was sie zum Jubeln brachte war die Eröffnung des Kampfplatzes am Wochenende.

Ein Ritter kam auf ihren Stand zu und drehte einen Apfel in seinen Händen. Engelin lächelte und fragte sanft womit sie dienen könne. „Fünf Äpfel und dich in meinem Armen,“ sprach der Mann und lachte laut. Geschickt packte sie ihm fünf Äpfel in eine Papiertüte und hielt sie ihm hin.

„Das macht zwei Kupferlinge,“ sagte sie leise. „Ihr seid günstig“, lachte er und wollte sie packen, als er eine Klinge am Hals spürte.

„Lass ab von der Frau“, zischte eine vermummte Gestalt und ließ erst sein Messer hinuntergleiten, als der Ritter zurückwich.

„Hier soll es eine Arena geben, Dunländer, dort sehen wir uns in zwei Tagen, dann werden wir sehen wer ablässt“, brummte ihn der Ritter an.

Engelin beschaute den vermummten und dessen Kleider. Sein Körper in Leder und Felle gehüllt, sein Messer grob geschnitzt, seine Haut von der Sonne gebräunt, wahrlich er kam aus Dunland, doch weshalb verbarg er sein Gesicht? Dankbar hielt sie ihm einen Apfel hin. Er nahm ihn an sich, rubbelte ihn an seinem Fell glänzend und schlenderte davon.

Am Tag darauf lud Engelin einen Karren voll Schaffell, den sie nach Galtrev bringen sollte. Bevor sie ging zeichnete sie ordentlich die weißen und schwarzen Streifen auf ihre Arme. Vorbei an den wehenden Fahnen, mit den Falken darauf, ging sie aus Avardin heraus.

Langsam zog sie den kleinen Wagen den steinigen Weg über den Hügel Richtung Galtrev. Plötzlich sprangen zwei Krieger der Drachensippe aus dem Gebüsch. Der Eine zog ihr den Wagen aus der Hand, während sie der Zweite zu Boden riss. Allein und benommen lag sie zurückgelassen in einem Busch, bis jemand sie vorsichtig aufrichtete. Erschrocken wehrte sie sich gegen den Helfer, erkannte den Retter des Vortages und riss ihm das Tuch vom Gesicht.

„Verfluchter Drachensippler!“ schrie sie ihn erschrocken an.

„Ja bin ich, aber ich war es nicht,“ entgegnete er ihr leise.

Schweigend gingen sie gemeinsam den Weg zurück Richtung Avardin. Verborgen zwischen Büschen beobachtete er wie sie zurück in ihre Hütte ging. Kaum hatte sie die Tür geschlossen kam es in ihm auf, das Gefühl er Leere, das Gefühl, das ihn jede Nacht in den Schlaf wiegt.

Das Gefühl, dass etwas fehlt – Sie.

Solang bis der neue Tag begann und sich die Tür wieder öffnete und er sehen konnte wie sie dort auf dem Markt stand. Sie hatte diese einzigartige Lebensfreude, die er noch nie bei jemand anderem gesehen hatte. Es schien als würde die frische Luft des Morgens die dunklen Stunden fortwehen. Doch eines war anders als zuvor. Ab und an sah sie zu ihm herauf, wie er sich auf dem Hügel in seinem Versteck verbarg.

Als die Händler am Abend ihre Stände abbauten trat sie auf ihn zu, setzte sich zu ihm in das Gebüsch. Sie konnten das Poltern vom Marktlatz noch hören und dennoch schien es als wären sie ganz allein. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Er atmete nicht.

Viele kleine Funken die zwischen beiden hin und her sprangen, blitzen und knistern. Unsichtbar, unhörbar.

Es zog ihn unwillkürlich zu ihr. Seine Hand näherte sich sehr bedacht und langsam ihrem Gesicht. Der Wunsch sie zu Küssen immer stärker, je näher er ihm kam. Ihre Fingerspitzen ertasteten seine weichen Lippen, durchdrungen von unsagbarer Angst und dem Gefühl des Glücks. Sie sprachen kein Wort, das zittern ihrer Körper drückte alles aus was sie fühlten, bis sie sich im Kuss verfingen, den sie nie mehr lösen mochten.

Stundenlang verbargen sie sich fest umschlungen, das Dämmerlicht des Mondes ließ sie sich kaum noch erkennen. Er hielt sie fest, sah ihr tief in die Augen. Leise hauchte er ihr zu: „Ich liebe Dich! Bitte bleib bei mir!“

Ihr Blick blieb nahezu regungslos, sie starrte durch ihn hindurch, als ob sie hoffte, hinter ihm eine Antwort zu finden. Doch sie sagte nichts, nur eine Träne bahnte sich einen Weg über ihre Wange. Vorsichtig presste sie im ihren Finger auf den Mund, löste sich aus seinem Arm und stieg leise den Weg zu ihrer Hütte hinab.

So lagen sie fortan beide da, er in seinem Gebüsch, sie unter dem Strohdach, kämpften gegen das Bedürfnis an beieinander zu sein. Im Arm des anderen zu liegen – auch wenn es nur kurz war. Pressten die Faust gegen den Schmerz in der Brust, als sei es ein Feuer, dass sie innerlich frisst. Er hatte vollkommen die Kontrolle über sich selbst verloren, regungslos saß er da, weinte und schämte sich für seine Schwäche. Sobald der Morgen anbrach versuchte er sie nicht an zu sehen, doch er vermochte es nicht.

Mit gesunkenem Blick stand sie auf dem Marktplatz. Jegliche Lebensfreude die sie je von allen anderen unterschieden hatte war aus ihrem Blick gewichen.

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