Sagenhaftes Mittelerde

Nach vielen Zuschriften der Leser, dass sie gern weitere Geschichten über die Länder Mittelerdes hören möchten folgt nun eine kleine unbekannte (frei erfunden) Sage aus Imladris.

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Die Quelle

(Nush Rauhros)

Still saß Glâniell in Bruchtal am Wasser, hielt ihre Hände, die von der Arbeit des Tages rot waren, hinein. Das Blut, welches aus ihrem Zeigefinger tropfte wurde heller und verteilte sich wie Nebel im kühlen Nass. Als die Wunde verebbte schöpfte sie ein wenig Wasser in ihre Handflächen und beobachtete wie es begann fort zu rinnen.

Ihre Eltern waren Schneider und auch sie übte sich nun im Handwerk der Familie. Sie liebte es zu sehen wie aus den feinen und groben Stoffen etwas entstand. Genau so sehr mochte sie aber das Wasser, welches zwar ein Element war, sich aber nicht gestalten ließ…man konnte es kaum halten, nicht biegen nicht auseinander oder zusammen ziehen.

Glâniell stand auf und ging leicht tapsigen Schrittes zurück zum Marktplatz, wo ihre Mutter stand und sich leise mit einer Dame unterhielt. Vielleicht, kann man das Wasser dort halten, wo es beginnt zu fließen, überlegte Glâniell als sie am Abend von ihrer Mutter zur Ruhe gesungen wurde.

Als die Morgensonne Bruchtal erhellte zog sie sich an. Vorsichtig erkundete sie woher das Wasser wohl kam, sah Richtung Berge und machte sich auf den Weg. Nie zuvor hatte sie Bruchtal verlassen, sie war noch jung, nahezu ein Kind und ihre Eltern sehr auf Nähe und häusliche Behaglichkeit bedacht.

Als sie ins Nebelgebirge kam war ihr ein wenig kühl, wunderte sich über das Weiß unter ihren Schuhen, doch schritt sie mutig weiter bis etwas Großes vor ihr stand.

„Ich suche die Quelle des Flusses,“ sagte sie.

Wahrscheinlich sagte sie es in Sindarin, doch selbst wenn sie Westron oder Khuzdul gebraucht hätte es wäre wohl gleich gewesen, denn die Schneekreatur, die sie mit großen Augen ansah verstand wohl keinerlei Sprache. Man könnte meinen Glâniell hätte sich gefürchtet, aber nein, sie kannte keine Furcht, denn sie hatte in ihrem Leben noch  nie Sorgen erfahren müssen.

Was die Schneekreatur über das Wesen dachte ist wohl nicht bekannt, doch war sie der Elbe gegenüber freundlich gesinnt.

Glâniell suchte einen Ausguck und zeigte auf den Fluss, der von den Bergen aus nach Bruchtal floss.  Entschlossen die Quelle des Wassers zu finden setzte sie ihren Weg fort. Die Schneekreatur folgte ihr stampfend.

Es begann zu dämmern, als sich die Kreatur hinlegte, Glâniell in sein Fell bettete bevor beide ruhten. Ihre Reise war beschwerlich. Hin und wieder fanden sie ein paar Beeren auf ihrem Weg die Glâniell mit Freuden aß. Die Schneehasen, die ihr der Begleiter hin und wieder vorhielt mochte sie nicht essen, zu sehr tat es ihr leid ein Tier verspeisen zu müssen, bis ihr hunger doch zu stark wurde und sie nicht wiederstehen konnte.

Sie entzündeten ein Feuer. Als die Wärme den Schnee um sie herum zerfließen ließ schnappte Glâniell danach. Sie griff mit den Händen in den Schnee, betrachtete und formte ihn, sah wie zu wie die Wärme ihrer Hände ihn zu Wasser werden ließ.

„Ich muss nahe am Ursprung des Wassers sein, hier kann man es anfassen, formen, mit den Händen tragen, doch noch nicht lang genug,“ murmelte sie leise.

Das Fell des Hasen gerbte sie und nähte ein paar feine Handschuhe daraus. Ihr Begleiter beobachtete sie dabei mit großen Augen. Als sie nach langer Reise den Bruinenquell erreichten hatte Glâniell bereits eine Garnitur Hasenfellkleider. Wenig fein sah sie aus, doch warm war ihr auch wenn ihr Wesen genug der Kälte trotzte.

Mit Spannung beobachtete sie wie das Wasser aus dem Berg quoll. Hier war ihre Reise zu Ende, denn ins Innere des Berges konnte sie nicht hinein, das wusste sie. Die Kreatur aber nahm sie sacht auf seine Schultern, hob sie hinauf zu einer kleinen Höhle.

Glâniell zwängte sich langsam ein Stück weit hinein,  sah in den dunklen Berg, bis die Sonnenstrahlen, die hinter ihr ein wenig Licht hineinwarfen etwas glitzern ließen.

Langsam streckte sie ihren Arm aus, umschloss mit der Hand etwas hartes, brach es ab und zog es zu sich heran.

Es sah aus wie Glas, man konnte hindurchsehen. Als sie ihre Handschuhe auszog perlte etwas Wasser von dem gläsernen Stab über ihre Finger.

 Es war Wasser, doch war es fest.

 „Dies musste der Ursprung sein“, meinte Glâniell und ließ sich sachte wieder in die Arme ihres Beschützers hinab gleiten. Mit dem Eiszapfen im Gepäck machte sie sich auf den Rückweg nach Hause. Bis zum Rand des Nebelgebirges trug sie die Schneekreatur, den Rest des Weges ging sie allein.

Als sie Bruchtal betrat war es grad um die Mittagszeit, der Marktplatz voller Händler.

Sobald ihre Mutter sie sah, ließ sie ihre Schere mit einem lauten Knall auf die Werkbank fallen, was sie wohl selbst erschreckt hätte sei der Moment nicht so bewegend gewesen. Als sie ihre Tochter weinend in den Armen hielt, öffnete Glâniell ihre Hand, der Mutter den Eiszapfen zu zeigen: Die Quelle des Wassers, welche sie gefunden hatte war jedoch nur noch ein kleines Eiskörnchen welches nun allzu schnell zerschmolz.

Nun kullerten auch ihr die Tränen aus den Augen. Einerseits sicher um das verschwundenen Relikts wegen welches sie doch so weit getragen hatte, vor allem aber um die Quelle die sie nun entdeckt hatte.

Das Wasser, welches ihrer Mutter aus den Augen rinn, vor Sorge und Glück zugleich.

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