Keilerplage in Breelande

Wer mir noch nicht begegnet ist, mein Name ist Rhizoma, alle sagen aber Rhi zu mir.

Ich bringe Kartüfften ins ganze Breeland. Zum einen mach ich das, weil ich in Bree wohn und zum andren, weil wir Bauer sind, mein Vati und ich, und vor allem, weil Kartüfften ein Grundnahrungsmittel sind.

Die Geschichte, die ich heute mitgebracht habe, handelt selbstverständlich wieder von Kartoffeln.

Sie heißt: Gefälscht

Nun es soll sich, laut dem großen Buch der Kartoffologie, mal begeben haben, vor einigen Zeiten, dass eine Familie in einem Smial in Stadel gelebt hat.

Sie hatten ein Stück Feld für Gerste und einen Stall mit allerlei Schweinen.

Der damalige Kartoffellieferant sagte zumindest sie hätten seine Kartoffeln immer gern genommen, vor allem aber die Schalen der Nachbarn zur Tierfütterung.

Eines Tages bekam der Schweinebauer einen Brief nach Hause in dem Folgendes stand:

Sehr geehrter Herr  Lende,

aufgrund des Übermaßes an Keilern in Breelande, werden alle Schweinebauern aufgefordert sich auf die Haltung anderer Tiere zu konzentrieren, da ab sofort die Befugnis des Schweinefleischverkaufes allein dem Jägerverband zusteht.

Hochachtungsvoll

Gemeinde Breeland

Der Schweinewirt warf verzweifelt das Pergament auf den Tisch  und senkte seinen Kopf daneben.

Woher sollte er nur das Geld nehmen sich neue Tiere an zu schaffen, wenn er seine nicht einmal verkaufen dürfe?

Am Abend schlurfte er ins Gasthaus Schluchtenflechter.

Einige Bauern aus der Umgebung waren dort. Die meisten hatten schon einige Humpen Bier geleert, als er mit am Tisch Platznahm.

Sein Freud Pietje klopfte ihm auf die Schulter, nun der hatte auch gut Lachen, er war Schafhirte, somit betraf es ihn wenig.

Doch einigen sah man an, dass sie an der neuen Verordnung hart zu knapsen hatten.

Eberhart widmete sich seinem Humpen Bier, hörte nebenher das Gefluche seiner Kollegen, sah verschwommenen Blickes ein paar Raufbolden am Nachbartisch zu wie sie sich gegenseitig die Nase blutig schlugen, amüsierte sich ein wenig über die Schankmaid, die versuchte die drei Herren durch  die Tür nach draußen zu quetschen, bis ihm ein Einfall kam.

Nachdem er all sein Kleingeld aus der Hosentasche gepult, es dem Wirt auf die Theke gelegt und sich bei seinen Kollegen verabschiedet hatte ging er nach Hause.

Seine Frau fand es nicht sonderlich amüsant, als Eberhart das Bett, indem sie schon tief und fest geschlafen hatte anhob, um eine verstaubte Kiste darunter vor zu ziehen.

Als das Bett wieder stand, und seine Frau dennoch nicht weiterschlafen wollte, öffnete er, neben wildem Gezeter des geliebten Eheweibes, vorsichtig den alten Holzkasten.

„Was hast du vor, Eberhard?“ frachte sie nun als sie merkte, dass alles verschlafene Klagen ihn nicht abhielt weiter Radau zu machen.

„Das wirst noch sehen, Rosa,“ antwortete er ihr energisch, griff nach Bogen, grünem Loden und ein paar alten Pergamenten.

„Eberhard!“ schrie sie ängstlich, „ du wirst doch dem Vorstand nichts antun, die Zeiten werden wieder besser!“

Grinsend schüttelte Eberhard seinen Kopf während er seinen dicken Bauch in eine Lederhose presste, sich die Lodenjacke zurechtrückte und einen Hut aufsetzte.

„Passt,“ sprach er, schnürte sich den Bogen um.

„Eberhard, du hast keine Jagdgenehmigung!“ schrie Rosa während sie ihn festhielt.

„Die werde ich mir aber besorgen,“ antwortete er trocken.

Rosa setzte sich nun weinend hin, denn eine Jagdgenehmigung, die bekommt man nicht mal so eben.

„Entweder ist man Jägerssohn, oder Ehrenmann, oder man hat genug Münzen eine zu erwerben,“ schluchzte sie.

Vorsichtig faltete er die alten Pergamente auseinander, zeigte auf die Urkunde mit Stempel.

„Jaja, da steht es doch. Jagdgenehmigung des Adalbert Hirschkopf,“ sprach Eberhard.

„Nur weil du eine alte Jägerkiste hast, weiß doch dennoch jeder wie du heißt,“ heulte Rosa.

Tief durchatmend setzte sich Eberhard hin, nahm Feder, Pergament und Tinte zur Hand, malte die Urkunde ab, trug seinen Namen hinein, zeichnete hübsch die unleserliche Unterschrift darunter und hielt es seiner Frau hin.

„Ohne Stempel ist es nichts Wert,“ grummelte sie, griff nach einer Kartoffel, schnitt sie durch, schnitzte vorsichtig den Stempel hinein, bevor sie das Gemüse einstrich, um den Stempel auf das Pergament zu setzen.

„Herrje wir kommen in orkische Küche,“ fluchte sie.

„Nene,“ sachte Eberhard,“ ich schieß doch gar keine Keiler, nur unsere eigenen Schweine, die zu schlachten ist nicht verboten…“

Merkwürdigerweise sprach sich zu jeder Zeit schnell herum, dass es bei Familie Lende das leckerste „Keilerfleisch“ gab.

Und wie immer in der Kartoffelogie endet die Seite mit dem Satz:

„Alles hat ein Ende, nur die Kartüffte ist rund.“

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