Hausierer, ein Traumberuf?

Wir begleiteten einen Hausierer aus Bree einen Tag lang:

Die Lichter der Laternen auf den Platz vor dem „Tänzelnden Pony“ erloschen, als Hainrich unsanft geweckt wurde. „He da, aufstehen“, rief die Stadtwache und gab ihm einen Tritt.

Grummeln blinzelte er die Stadtwache an, schob den alten Krug beiseite, der ihn in der letzten Nacht zu tiefem Schlaf verhalf und zog die Decke über seinen Kopf.

Schon kam eine zweite Stadtwache und gemeinsam rissen sie ihm die Decke fort.

Gemächlich begann Hainrich damit seine Habe ein zu sammeln, kippte sich am Brunnen etwas Wasser in sein Gesicht und taumelte über den Platz.

„Wein, Weib und Gesang…und das Ganze ein Leben lang“, sang er lallend und verschwand in südlicher Richtung vom Platz.

Zwischen Büschen hatte er seinen Bauchladen versteckt. Nicht mehr als eine zerschrammte Holzpatte und ein Beutel gesammelten Unrats.

Sein Beutel zählte nicht mehr als drei Kupfermünzen, welche das Bier des Abends nicht sicherten.

Auf seinem Weg traf er bereits ein paar Hausierer, die versuchten ihre Waren an zu bieten.

Beim Stallmeister lieh er sich eine Bürste, striegelte seine Hose, die Schuhe und zuletzt sein Haar.

Seinen Bauchladen füllte er mit allerlei Dingen, die er in seinem Beutel fand und machte sich auf den Weg zur ersten Haustüre.

Kräftig bollerte er mit der Faust gegen die Tür, bis eine hakennasige Dame öffnete.

„Was wollt ihr?“ fragte die Dame genervt und wollte die Tür schließen, als Hainrich bereits seinen Bauchladen zwischen Tür und Angel schob.

„Guten Morgen, hübsche Maid, alles was Ihr wünscht liegt für Sie bereit“, begann er und hielt ihr eine zerbeulte Schmuckdose hin. „Für nur fünf Kupfer gehört sie Euch“, fügte er grinsend hinzu.

Angewidert schaute die Dame auf das zerbeulte Ding und schüttelte den Kopf „Ich kaufe nichts“, sagte sie und drückte die Tür gegen das Brett.

„Ah vielleicht lieber ein Fläschchen Duftöl?“ versuchte Hainrich es mit einem Lächeln und hielt ihr eine grünliche Flasche hin auf der mit krakeliger Schrift geschrieben stand: Liebeswunder!

„Ich brauche nichts! Bettler und Hausierer kann ich nicht leiden!“ keifte ihn die Frau nun an.

„Oh, dann seid ihr sicher an einem Schild interessiert,“ erwiderte Hainrich und begann in seinem Beutel zu suchen.

Die Dame deutet auf das Schild neben ihrer Haustür und schüttelt den Kopf.

„So eines meinte ich auch nicht Frau …,“ las das Schild, „ Frau Binsenstrauch.“

Hainrich holte ein Schild aus seinem Beutel heraus und hielt es ihr unter die Nase.

BETTELN UND HAUSIEREN VERBOTEN ist darauf zu lesen.

Die Augen der Dame leuchteten auf. „Das brauche ich wirklich,“ sagte sie und nahm es entgegen.

Er legte noch zwei rostige Nägel dazu und nahm ihr zehn Silberstücke ab, bevor er sich fröhlich pfeifend auf den Weg ins Wirtshaus machte.

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